Bewegungsratschlag: „Krankenhaus statt Fabrik“

Vom 29.11. bis zum 01.12. fand in Berlin der Bewegungsratschlag des Bündnisses „Krankenhaus statt Fabrik“ statt. Neben Vernetzungstreffen, unter anderem auch zwischen Kritischen Mediziner*innen aus unterschiedlichen Städten, ging es primär um die inhaltliche Arbeit.

Welche Möglichkeiten haben wir, uns gegen die umgreifende Ökonomisierung im Gesundheitssektor zu wehren? Zu diesem Thema haben wir als Berliner Ortsgruppe einen Workshop mitorganisiert. Die Ergebnisse soll es bald in schriftlicher Form im praktischen Kitteltaschenformat für Ärzt*innen geben.

Auch Neuerungen im Fallpauschalensystem, in dessen Rahmen Leistungen im Krankenhaus vergütet werden und das als eine der Ursachen für den enorm gestiegenen Ökonomisierungsdruck in der Gesundheitsversorgung gilt, wurden diskutiert. Dass Herausrechnen der Pflege aus den Fallpauschalen (DRGs) etwa erhöhe zwar zunächst den Druck auf die Krankenhäuser, stelle aber langfristig einen wichtigen Schritt zur Abschaffung der DRGs dar. Podiumsgast Prof. Michael Simon sprach sich unterdessen für das Selbstkostendeckungsprinzip als Finanzierungsalternative aus.

 

Erneute Umbenennungsaktionen

Anstatt der geschichtsrevisionistischen Verherrlichung Ferdinand Sauerbruchs in der ARD-Serie „Charité“ zu widersprechen, äußert sich die Charité gar nicht erst zu der Diksussion um die vielen zweifelhaften Figuren, die vielfach sogar mehr waren als  ‚Mitläufer‘. Auch auf einen offenen Brief, den neun Hochschulgruppen der Charité, HU sowie der FU Berlin unterzeichnet haben, wurde gar nicht erst reagiert.

Deshalb freuen wir uns, dass Aktivist*innen – nun schon zum dritten Mal – auf ihre Art gegen das Vergessen und eine unkritische Erinnerungskultur vorgehen. In der Nacht vom 25. zum 26.11. wurden der Sauerbruchweg sowie der Bonhoefferweg auf dem Charité Campus in Mitte überklebt. Es bleibt bei den bereits verwendeten Vorschlägen: Emma Haase und Käte Frankenthal.

Neu hinzu kam nun Schriftzüge auf den Bürgersteigen des Geländes: „Warum ehren wir NS-Mitläufer?“ „Wer befürwortete Zwangssterilisationen?“ Außerdem wurde ein Banner aus dem Bettenhochhaus  gehängt: „SauerbruchMUSSweg“

 

Stellungnahme: „Erweiterte DNA-Analysen“ gefährden Minderheiten!

Hier eine Stellungnahme des GeN (gen-ethisches Netzwerks e.V.), die wir mitunterzeichnet haben:

(Berlin, 12.11.2019) Entgegen aller Argumente und Warnungen vielfältiger Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen von Minderheiten und von Datenschutzexpert*innen sollen sogenannte Erweiterte DNA-Analyse schon diese Woche im Schnellverfahren eingeführt werden.Mit dem „Gesetz zur Modernisierung des Strafverfahrens“ soll die polizeiliche DNA-Analyse von Alter, Augen-, Haut und Haarfarbe von unbekannten Personen aus Tatortspuren erlaubt werden.„Als zivilgesellschaftliche Organisationen sorgen wir uns um die Sicherheit von Minderheiten, denn nur diese werden von einer solchen Fokussierung polizeilicher Ermittlungen betroffen sein. Wir kritisieren, dass die Gefahr eines rassistischen Diskriminierungseffekts nicht ernst genommen wird. Ebenso erfolgt mit der Ausweitung der DNA-Analyse ein massiver Einschnitt in bisherige Datenschutzstandards – von dem potenziell alle Bürger*innen betroffen sein werden“so die Molekularbiologin Dr. Isabelle Bartram vom Gen-ethischen Netzwerk.Schon im Mai 2019 hat das Gen-ethische Netzwerk kritisiert, dass die problematischen Aspekte der Technologie und ihre wissenschaftliche Unzulänglichkeit im Gesetzgebungsverfahren ignoriert werden. Stattdessen wird sich nach wie vor auf inzwischen vielfach widerlegte bzw. relativierten Aussagen einzelner Experten verlassen.

Technisch unausgereift

Die Analyse der Pigmentierung von Augen- Haar- und Hautfarbe sowie des Alters ist zwar grundsätzlich möglich, doch Wissenschaftler*innen haben immer wieder darauf verwiesen, dass die Vorhersagegenauigkeiten stark schwanken können und nicht den Testdaten aus dem Labor entsprechen. Eine Fehlleitung von Ermittlungen aufgrund von zu großem Vertrauen in die DNA-Technologie erscheint demnach höchst wahrscheinlich.Expert*innen, die die Einführung befürworten, verweisen darauf, dass die Technologie ausreichend validiert sei. Doch Studien zeigen, dass die „hinreichende Vorhersagegenauigkeit“ von dem das Bundesjustizministerium in seinem Gesetzesentwurf ausgeht, nicht gegeben ist. Beispielweise zeigte eine neue US-amerikanische Studie eine Fehlerrate von rund 40 Prozent bei Augenfarbe auf, bei Haarfarbe lag sie bei 20 Prozent.(1) Bei einer anderen Studie mit brasilianischen Proband*innen versagte die Technologie HIrisPlex-S (auf die sich meist bezogen wird) fast gänzlich dabei, Hautfarbe 2vorherzusagen.(2) Die Wissenschaft scheint also noch gar nicht so weit zu sein, wie es von den politisch Verantwortlichen vermittelt wird.

Nutzen fraglich

Immer wieder wird auf den Mordfall Maria L. verwiesen. Doch selbst Manfred Kayser, ein Hauptentwickler der Technologie hat inzwischen eingeräumt, dass die DNA-Analysen in diesem Fall – in einer Großstadt mit einer diversen Bevölkerung – nicht geholfen hätten. Vielfach wird behauptet, in anderen Ländern würde die Technologie erfolgreich eingesetzt, doch Studien über Schaden und Nutzen fehlen. Es ist kein einziger Fall bekannt, bei der die Vorhersage von Augen- Haar- und Hautfarbe und des Alters zur Aufklärung eines Falls geführt hat!

Gefahr des Racial Profiling

Ein schwerwiegendes Problem der Technologie stellt die Gefahr der Pauschalverdächtigung von gesellschaftlichen Minderheiten dar. Die Analyseergebnisse ergeben kein „genetisches Phantombild“ sondern grobe Vorhersagen der Pigmentierung einzelner Merkmale – die Kombination daraus trifft jeweils auf viele Menschen zu. Wie sowohl der immer wieder (fälschlicherweise als Anwendungserfolg) angeführte Mordfall von Marianne Vaatstra aus den Niederlanden, als auch der aktuelle Fall des „Allgäuer Triebtäters“ aus Bayern gezeigt haben, werden Merkmale der Mehrheitsgesellschaft bei Ermittlungen nichts nutzen. Nur Merkmale von Minderheiten helfen dabei, den Kreis der Verdächtigen einzugrenzen. So werden Personen aus Minderheiten öfter von Ermittlungen belangt und rassistische Stereotype einer erhöhten Kriminalität zwangsläufig verstärkt werden. Zwar ist im Gesetzesentwurf die Rede davon, dass es „ nicht zu einem Missbrauch […] im Sinne rassistischer Stimmungsmache oder Hetze kommen darf“, doch diesem Ratschlag folgen keinerlei Maßnahmen, die einen sensiblen Umgang sicherstellen würden.Die Bundesregierung hat, „als bewusste Entscheidung“,die Analyse des Merkmals „bio-geografische Herkunft“ nicht aufgenommen, da laut Justizministerin Christine Lambrecht durch die Analyse einer vermeintlichen kontinentalen Herkunft „größere Gruppen an den Pranger gestellt werden“ können.(3) Doch die Bestimmung einer Hautfarbe wird genau denselben Effekt haben und muss daher mit demselben Argument abgelehnt werden. Auch in der Expertenanhörung des Rechtsausschusses am 11.11.2019 konnte rassistische Diskriminierung als Folge der Anwendung von den zwei dazu befragten Experten nicht ausgeschlossen werden!Es stellen sich noch viele Fragen bezüglich der Anwendung in Ermittlungen. Wie wird die Polizei etwa nach „Hautfarbe = dunkel“ fahnden? Dieses Merkmal ist bisher in keiner Datenbank vermerkt – werden entsprechende Datenbanken angelegt? Oder wird von Nationalität auf Hautfarbe geschlossen? Wie wird die Hautfarbe von Büger*innen entsprechend des Analyseergebnisses (bei dem System HIrisplex-S von Manfred Kayser z.B. 5 Hautfarben) einsortiert? Geschieht dies nach Augenmaß der verantwortlichen Polizist*innen? Fälle aus Deutschland („Phantom von Heilbronn“) und dem Ausland zeigen gut dokumentiert die Gefahr der Diskriminierung von Minderheiten durch Fahndungen mittels Erweiterter DNA-Analysen. Diesem Effekt muss vorgebeugt werden, statt fälschlicherweise immer wieder zu behaupten, es handele sich beim Aussehen nicht um sensible Informationen.

Massive Datenschutzverletzung

Der immer wieder angeführte Vergleich mit Videoüberwachung und Aussagen von Zeug*innen ist inkorrekt. Zum einen verwies auch der Rechtsanwalt Stefan Conen (Vereinigung Berliner Strafverteidiger e. V.) bei der Expertenhörung am 11.11.2019 darauf, dass während Zeug*innen sich bemühen Täter*innen zu beschreiben, DNA nicht „spreche“, und eine DNA-Spuren am Tatort nicht im Tatzusammenhang stehen muss. Zum anderen entspricht die im Gesetzesentwurf vertretene Einschätzung, die Untersuchung von Spurenmaterial auf Augen-, Haar- und Hautfarbe sowie des Alters greife nicht in den absolut geschützten Kernbereich der Persönlichkeit ein, weder bisher geltenden Datenschutzstandards noch molekulargenetischen Erkenntnissen. DNA-Daten sind keine gewöhnlichen personenbezogenen Daten, sondern sie sind durch ihren hohen Informationsgehalt und ihre vielfältige Verwendungs- (und damit Missbrauch-)möglichkeiten als gesonderte, besonders sensible Datenkategorie zu betrachten. Darauf weißt auch die Stellungnahme des Deutschen Anwaltvereins hin und fordert daher, dass die Analyse von Augen-, Haar- und Hautfarbe unterbleiben muss.(4)Die Ausweitung von polizeilichen Analysebefugnissen auf die sogenannte „kodierende“ DNA ist ein tiefer Einschnitt in den Datenschutz von Betroffenen. Bisher durfte zur Bestimmung der Identität einer Person auf Marker in der „nicht-kodierenden“ DNA zurückgegriffen werden, die keine Angaben über persönliche Merkmale enthalten soll. Mit den neuen Analysekompetenzen werden automatisch Nebenbefunde über andere Eigenschaften generiert. Die moderne Genomforschung zeigt, dass jedes Gen, jede Genvariante mit einer Vielzahl von Eigenschaften in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Darstellung der scharfen Begrenzung der Analyse auf einige konkrete Eigenschaften ist daher wissenschaftlich inkorrekt bzw. verkürzt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass zum jetzigen Stand der Forschung schon für einige der Genvarianten, die für die Bestimmung von äußeren Merkmalen verwendet werden, Korrelationen mit Erkrankungsrisiken bekannt sind.(5) Mit dem exponentiellen Anwachsen des Wissensstands im Bereich der humangenetischen Forschung ist davon auszugehen, dass das Wissen über den Informationsgehalt des durch die Polizei analysierten Bereichs noch einmal deutlich steigen wird. Die massive Verletzung von bisherigen Standards des Datenschutzes gilt dabei nicht nur für potenzielle Täter*innen, sondern einen großen Kreis von unbeteiligten Personen, deren DNA auch durch Transfer durch Dritte oder angefasste Gegenstände an den Tatort gelangt sein kann. Hinzu kommen alle (auch zukünftigen) biologischen Verwandten der betroffenen Person, deren genetische Daten indirekt mit analysiert werden.

Ausweitungsgefahr

Wir sehen zudem eine große Gefahr der Ausweitung auf weitere Merkmale, wenn der datenschutzrechtliche Dammbruch einmal erfolgt ist. Die DNA-Datenbank des BKA wurde 1998 eingeführt, um schwere Straftaten aufzuklären, aber heute wird sie zum allergrößten Teil zur Aufklärung von Bagatelldelikten verwendet. Schon jetzt wünschen sich die Befürworter*innen aus Forensik, Polizei und Politik die Ausweitung auf die angeblich so viel genauer ermittelbaren „biogeografischen Herkunftsmarker“ oder sprechen sich sogar für keinerlei scharfe Begrenzung aus, welche Merkmale erlaubt sein sollen und welche nicht.

_______________________________________________________

• Wir protestieren gegen die fehlgeleitete politische und mediale Darstellung dieser Methoden. Die sicherheitspolitisch geforderten DNA-Analysen sind keine Wahrheitsmaschinerie, sondern hochgradig fehleranfällig. Die Gefahren ihrer Anwendung wiegen weitaus schwerer als ihr geringer kriminalistischer Nutzen!

• Wir protestieren dagegen, dass das Gesetzesvorhaben rassistischer und antiziganistischer Stimmungsmache Vorschub leistet. Öffentliche Generalverdächtigungen gegen diskriminierte Gruppen aufgrund der Analyse von Haut-, Haar- und Augenfarben dürfen nicht durch solche Verfahren ermöglicht werden!

• Wir protestieren dagegen, dass bisher gültige Datenschutzrechte dramatisch verletzt werden, wenn Rückschlüsse auf persönliche Eigenschaften via DNA-Analyse erlaubt werden!

______________________________________________________

Literatur

(1) Sharma et al (2019): Evaluation of ForenSeqTM Signature Prep Kit B on predicting eye and hair col-oration as well as biogeographical ancestry by using Universal Analysis Software (UAS) and available web-tools. Electrophoresis, doi: 10.1002/elps.201800344.

(2) Carratto et al. (2019): Evaluation of the HIrisPlex-S system in a Brazilian population sample. Forensic Science International: Genetics, doi: 10.1016/j.fsigss.2019.10.180.

(3) Rath (2019): Justizministerin zur DNA-Strafver-folgung. „Das ist keine Stigmatisierung!“, taz, 12.09.2019.

(4) Stellungnahme des Deutschen Anwaltvereins zum Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz eines Gesetzes zur Modernisierung des Strafverfahrens, 19.10.2019.

(5) Bradbury et al. (2018): Off-target phenotypes in fo-rensic DNA phenotyping and biogeographic ancestry inference: A resource. Forensic Science Internation-al: Genetics, doi: 10.1016/j.fsigen.2018.10.010

Filmabende fürs Wintersemester 2019/20

Auch dieses Semester wird es wieder Filmabende für euch geben! Sie werden im Anschluss an die offenen Plena gezeigt. Unter anderem zeigen wir am 04.11. als ersten Film Der marktgerechte Patient, den wir bereits einmal gezeigt haben, der jedoch nichts an Aktualität eingebüßt hat und dessen Inhalt wir einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung stellen möchten.

02.12. Patent Wars

Seit 2011 geben Technologiekonzerne wie Apple und Google jedes Jahr mehr Geld für Patente aus als für Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte. In Indien müssen Menschen sich gegen die Patentierung von Reis oder Yogaposen schützen. Selbst in unseren Körpern befinden sich Gene, die Ärzt*innen nicht untersuchen dürfen, weil sie einem amerikanischen Unternehmen „gehören“ – dies besitzt nämlich die Patentrechte. Mit Hilfe von Hannah Leonie Prinzlers Film wollen wir versuchen, den absurden globalen Krieg der Patente ein bisschen besser zu verstehen und herausfinden, was in diesem System schief läuft.

_______________________________________________________

13.01. Eldorado – The Struggle for Skouries

Seit Jahren herrscht in der Region Halkidiki ein heftiger Konflikt um das größte Minen-Projekt Europas. Inmitten der Wirtschaftskrise vollzieht sich hier die Transformation Griechenlands zu einem extraktivistischem Staat, gefördert durch die griechische Regierung und die Rohstoffpolitik der EU. Doch der gesellschaftliche Widerstand ist groß. Insbesondere am Bau einer Goldmine in den alten Wäldern von Skouries eskalierte die Auseinandersetzung zwischen den Aktivist*innen, dem internationalen Investor, der griechischen Regierung und den Bergbauarbeiter*innen. ELDORADO – The Struggle For Skouries dokumentiert den demokratischen Kampf der Bevölkerung gegen die Zerstörung ihrer Heimat durch hochriskanten Goldabbau.

_______________________________________________________

03.02. Espero Tua Revolta – Your Turn

Brasilien 2018, die Regierung beschließt eine Sparmaßnahme durch die hunderte öffentliche Schulen im ganzen Land geschlossen werden sollen. Doch daraufhin entsteht eine Graswurzelbewegung für eine freie Bildung für ALLE. Doch die jungen Menschen stellen mehr und mehr auch das Patriarchat und ungleiche Machtverhältnisse in Frage. Espero tua (re)volta zeigt das Entstehen dieser Bewegung.

_______________________________________________________

Der Eintritt ist natürlich kostenfrei, wobei Spenden erwünscht sind.

Solidaritätsbekundung zum Walk of Care 2019

Am Samstag, den 12. Mai 2019 demonstrierten in Berlin hunderte Pflegeauszubildende für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege und eine qualitativ hochwertigere Ausbildung.

Wir, die kritische Mediziner*innen Berlin und Teil des Berliner Bündnisses für Mehr Personal im Krankenhaus, waren vor Ort, um uns mit diesem Arbeitskampf zu solidarisieren.

Unser Gesundheitssystem orientiert sich zunehmend an wirtschaftlichen Interessen.
Das Abrechnungssystem durch knapp bemessene Fallpauschalen setzt Krankenhäuser unter Druck, Patient*innen möglichst schnell und kostengünstig abzufertigen. Schon als Studierende lernen wir, dass zunehmend medizinisch nicht notwendige, dafür profitable Behandlungen durchgeführt werden.
Eingespart wird dagegen in erster Linie bei Pflegepersonal und Service-Angestellten. Darunter leidet, nicht nur das Personal, sondern insbesondere die Patient*innen.

Dieser Zweckentfremdung der medizinischen Versorgung in unseren Krankenhäusern durch Privatisierung und Profitmaximierung müssen wir durch faire Bezahlung, mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen für alle Berufsgruppen entgegenwirken!

Wir lernen in unserem Studium, wie nach Evidenz-basierter Forschung eine optimale medizinische Versorgung aussieht. Aber um eine auch nur annähernd adäquate Versorgung zu gewährleisten ist die MINIMALE Voraussetzung ausreichende Personalbesetzungen auf den Stationen!

Wir wollen später nicht in einem System arbeiten, das die eigenen Mitarbeiter*innen krank und die Patient*innen noch kränker macht.

Es ist ein Trauerspiel, dass sich die meisten Ärztinnen und Ärzte nicht an diesem Arbeitskampf beteiligen. Mit all ihren Privilegien stellen sie sich gegen die Verbesserung der Versorgungsstruktur ihrer Patient*innen, zu deren Wohl sie sich verpflichtet haben.
Wir fordern hiermit alle Ärztinnen und Ärzte auf, sich mit den Arbeitskämpfen der anderen Berufsgruppen zu solidarisieren. Nur gemeinsam können wir den Grundstein für eine gute medizinische Versorgung aller Patient*innen legen!

Deshalb fordern wir einen festen Personal-Patient*innen-Schlüssel, mehr Investitionen des Landes in Krankenhäuser, die Rückführung der Tochtergesellschaften und die Abschaffung der Fallpauschalen!

Kritische Filmreihe im Sommersemester 2019

– Eintritt auf Spendenbasis –

Operation Persilschein

Jedes Erscheinen einer neuen Publikation, die den Grad der Beteiligung des umstrittenen Chirurgen Ferdinand Sauerbruch an der Verbrechen der Nationalsozialisten weiter erhellt, sollte eigentlich begrüßt werden. Insbesondere gilt dies, wenn neue Quellen herangezogen wurden. Das im Januar erschienene Buch von Christian Hardinghaus bietet all das, jedoch mit einem kleinen Haken. Hardinghaus ignoriert in seinem Buch einfach einen Großteil des aktuellen Forschungsstands und versucht nicht zu verleugnende Tatsachen mit nicht haltbaren Theorien zu legitimieren. 
Die Arbeiten von Wolfgang Eckart zum Beispiel tauchen in dem Buch gar nicht auf, obwohl seine Sauerbruch-Biografie als eines der Standardwerke gilt. So schafft Hardinghaus es aus dem deutschnationalen Antidemokraten Sauerbruch, der begeisterte Reden über sowie für den Faschismus hielt, einen Widerstandkämpfer zu machen. Der reißerische Untertitel des Buches lautet sogar „Operationen gegen Hitler“.  Er leugnet nicht Sauerbruchs zentrale Rolle im Reichsforschungsrat als Fachspartenleiter Medizin, argumentiert jedoch der Geheimrat mit weitreichenden Verbindungen in Politik und Militär, der Hitler nebenbei persönlich kannte, hat nicht gewusst, was er da unterschrieb. Auch Udo Schagen vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité bezweifelt diese Interpretation des Autors. Schagen hat eine ausführliche Rezension zu dem Buch verfasst, in dem er auf viele inhaltliche und fachliche Mängel hinweist (https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-30742).
Eine sonderbare Quellenbewertung nimmt Hardinghaus indes bei einem weiteren Vorwurf gegen Sauerbruch vor. Dabei geht es um die „Arbeitstagung Ost der beratenden Fachärzte” 1943, im Rahmen derer der später zum Tode verurteilte Nazi-Verbrecher Karl Gebhardt über seine grausamen Versuche an Frauen des polnischen Widerstands berichtet. Sauerbruch beteiligt sich dabei an der „fachlichen“ Diskussion. „Daran Kritik zu üben“, erkläre später sein Rechtsanwalt, sei für „Herrn Geheimrat Sauerbruch aus Gründen des Taktes und seiner militärischen Dienststellung unmöglich gewesen.“ Hardinghaus steigert das Ganze noch und behauptet, Widerspruch vonseiten Sauerbruchs hätte dessen Leben gefährden können. Diese Begründung in der Logik des „Befehlsnotstandes“ wurde nach dem Krieg von vielen Kriegsverbrechern angeführt und gilt als längst widerlegt.
Dieser geschichtsrevisionistische Eintopf wirkt wie ein Auftragswerk und Hardinghaus wie der Dieter Köhler der Medizingeschichtswissenschaften. Denn wie durch einen Zufall wurde einen Monat nach Erscheinen des Buches die zweite Staffel der Charité-Serie erstausgestrahlt, mit Sauerbruch als Serienhelden. Das ZDF kann sich nun auf den von Hardinghaus ausgestellten Persilschein berufen. Interessanterweise geht das ZDF auf zehn Jahre der aktiven Unterstützung Sauerbruchs für das NS-Regime, in seinen Worten „die große Idee einer nationalen Erhebung“, nicht ein. Zuletzt hat auch Taris Würger mit „Stella“ bewiesen, dass er auch er der Thematik nicht gewachsen war. So liegt man voll im Trend und die Leser*innen und Zuschauer*innen können sich in die große deutsche Lebenslüge der Nachkriegszeit einfühlen: Wir haben ja nichts geahnt, alle Nazis trugen schwarz und wir, „die Mehrheitsgesellschaft“, wurden von ihnen betrogen.
Die Studentische Initiative GeDenkOrt.Charité befasst sich mit dem Thema und hat unter anderem auch Wolfgang Eckart eingeladen. Hier geht es zur Veranstaltungsreihe.

Besuch der Poliklinik Veddel

In Hamburg wird es langsam dunkel an diesem Samstag Abend. Im ersten Stockwerk liegen wir und versuchen noch mal zu schlafen, bevor wir gleich durch die Stadt streifen. Ich liege im Halbschlaf auf dem Sofa im gemeinsamen Pleniersaal mit Küche der Klinik und werde langsam wacher. Unten höre ich die Stimmen der anderen, sie diskutieren und lachen. Es ist schön, wieder mit den Kritis unterwegs zu sein.

Die Poliklinik gibt es seit Ende 2017. 23 Personen arbeiten hier im Stadtteil Hamburgs, in dem die Lebenserwartung durchschnittlich 10 Jahre geringer ist als in den reichen Vierteln. Um Klassenunterschiede nicht durch die Medizin zu individualisieren, um eine Versorgung zu ermöglichen, die die Lebenssituation der Menschen behandelt, arbeiten hier Gesundheitsarbeiter_innen, Jurist_innen und Sozial- und Kommunikationswissenschaftler_innen. So gibt es Allgemeinarztpraxis, Sozial- und Gesundheitsberatung, Präventionsprojekte und psychologische Beratung.

Alternative Projekte, die nicht profitorientiert und sich aus einer politischen Praxis heraus konstituieren, haben oft Probleme als trojanisches Pferd im kapitalistischen System. So erzählen uns Jan, Phil und Thilo von der Geschichte der Klinik. Wie viele Besuche anderer Gesundheitskollektive auf dem Weg bis zur Gründung der Klinik lagen, sieht man im Flur vor den Behandlungszimmer, wo ein Zeitstrahl bis zur Geburt der Klinik führt.

Die Hürden liegen bei der Finanzierung, die auf ein anderes Verständnis von Gesundheitsversorgung abzielt. So entsteht für viele Mitarbeiter_innen durch die unzureichende Bezahlung, an anderen Orten zu lohnarbeiten. Wir diskutieren den Begriff der Selbstausbeutung in Bezug auf politische Arbeit, die sich mit der Lohnarbeit überschneidet.
Auch die Verankerung im Veddel gestaltete sich nicht von Anfang an einfach, doch durch zahlreiche offene Arbeitsgemeinschaften, in denen Austausch und nachbarschaftliche Hilfe möglich ist, ist die Resonanz größer geworden. Doch mangelt es weniger an Projekten und Bedarf, viel mehr fehlt es an Örtlichkeiten und Entwertung.

Doch scheint es für die drei gute Gründe zu geben, weiter an diesem Ort ihre gesamte Kraft und ihr Herz hineinzugeben, mit uns hier am Wochenende zu sitzen und zu erzählen. So ist es möglich, dass dieser Ort widerständiger Kranken- und Menschenversorgung möglich wurde, der so anders ist als die Kliniken, die wir kennen.

Der Interregio fährt uns in einem gemütlichen Abteil wieder zurück nach Berlin. Wir sitzen nah beieinander und diskutieren. Was ist nun unsere Aufgabe? Wie kann man Strukturen aufbauen, die verhindern, dass eine solche Klinik einer profitorientierten Versorgung dient? Wie gleichen die Kämpfe der Gesundheitskollektive denen der Mietpolitik? Wie unterscheidet sich das Gesundheitskollektiv Berlin von der Poliklinik Veddel? Wir entwerfen unser weiteres Vorgehen und unsere politische Strategie.

Solierklärung nach Cottbus – Heute Demonstration vor der Landesvertretung um 18 Uhr

18 Aktivist*innen werden in Cottbus nach der Baggerbesetzung am 04.02. in der Lausitz in Gewahrsam gehalten. Nach der Vorführung den Haftrichter*innen sind sie nun in Untersuchungshaft. Wir stellen uns gegen dieses unverhältnismäßige und erniedrigende Polizeivorgehen und bekunden unsere Solidarität den Festgehaltenen! Klimaschutz ist kein Verbrechen!

Die Aktivist*innen hatten Kohlebagger in Jänschwalde und Welzow Süd besetzt und damit das Ergebnis der Kohlekomission kritisiert.
Auch aus medizinischer Perspektive ist der Klimawandel ein enormes Problem und mit dem Ergebnis der Kohlekomission erst bis 2038 aus der Braunkohle auszusteigen und ohne einen wirklichen Ausstiegsplan, wird ein Erreichen des 1,5Grad-Ziels ein Szenario der Unmöglichkeit. Hinzu kommen enorme Entschädigungszahlungen an die Kohleindustrie und Unklarheit über das Weiterexistieren von Dörfern und Wäldern nahe der Abbaugebiete.

Diese Klimapolitik, die Hand in Hand geht mit einer solchen willkürlichen Repressionsmaschinerie, muss entschieden bekämpft werden, um gemeinsam die Gefährdung unserer Gesundheit, des Klima und zahlreicher Menschenleben zu stoppen.

Solidarische Grüße an die Aktivist*innen!

 

Diagnose Sexismus – antisexistische Aktionswoche an der Charite!

In der Ersten Dezemberwoche laden die MSFC und die Kritischen Medizinner*innen euch ein, über Sexismus-Erfahrungen im Alltag und in der Klinik zu sprechen.
Wir bieten euch ein einwöchiges Programm an, welches Raum für Austausch und Kollaboration bieten soll, und diese längst überfällige Debatte in ein persönliches sowie strukturelles Licht rückt.
Wir freuen uns auf eure Teilnahme und euren Input!

Hier ein vorläufiges Programm, welches wir zeitgemäß updaten werden 🙂

Montag 3.12 – Einführungsveranstaltung mit Dr. Kurmeyer, Frauenbeauftragte der Charite
Ort: Hörsaal Hautklinik
Zeit: 19 Uhr

Am ersten Abend möchten wir euch gerne die Arbeit der MSFC und der Kritischen Medizinner*innen sowie unsere gemeinsame Sexismus-Plattform vorstellen. Ihr werdet einen Einblick erhalten, was eure Kommiliton*innen uns von ihren sexistischen Erfahrungen im Klinikalltag berichtet haben.
Wir bereden in offener Runde die Gründe und Arten von Sexismus. Dr. Christine Kurmeyer, Frauenbeauftragte der Charite, wird hierzu einen Vortrag halten und speziell auf den Alltagssexismus in der Klinik eingehen.

Dienstag 4.12 Vortrag von Weibliche Quelle – Laura Meritt (in Vertretung)
Ort: Hexenhaus

In Vertretung besucht uns am Mittwoch Laura Merrit, Inhaberin des Sex-Shops ‘Sexclusivitäten’ und Sex-Positivistische Feministin. Sie wird mit uns über jene Aspekte der Sexulität reden, die die Lehre nicht lehrt. Mehr Informationen dazu gibt es bald hier.

Donnerstag 6.12. – Persönlicher Abend und Gesprächsrunde
Ort: Hautklinik
Zeit: 19 Uhr

Am dritten Abend würden wir gerne persönlich mit euch Erfahrungen über Sexismus austauschen! In kleinen Runden beschäftigen wir uns mit euren Geschichten und diskutieren, wie wir am besten in solchen Situationen uns selbst und einander beistehen können.

Freitag: Buchvorstellung „Die Uhr die nicht tickt. Kinderlos glücklich.“ von Sarah Diehl
Ort: Lernzentrum R. 01.050, Virchowweg 3, CCM 
Am Freitag werden wir die großartige Gelegenheit haben, uns mit der Autorin, Filmemacherin und Aktivistin Sarah Diehl im Rahmen ihrer Buchvorstellung auszutauschen.

Inhalt des Buches:
Immer mehr Frauen bleiben freiwillig kinderlos, nicht nur in Deutschland. Politik und Gesellschaft hadern damit, obwohl inzwischen jede Frau selbst entscheiden kann wie und mit wem sie leben will. Geht es ums Kinderkriegen, wird jedoch unbeirrt festgehalten an der Vorstellung vom angeborenen Mutterinstinkt und der Idee vom allein seligmachenden Glück der Kleinfamilie.

Sarah Diehl plädiert für ein Umdenken und für eine Akzeptanz verschiedener Lebensmodelle. Statt sich an alte Denkmuster zu klammern und überholte Scheindebatten zu führen, fordert sie Eltern und Kinderlose dazu auf, die Zukuft gemeinsam zu gestalten.


Samstag: Workshop
Am Samstag besuchen uns die Aktivist*innen von S.I.G.N.A.L. um uns im Umgang mit Sexismus durch Rollenspiele praktische Möglichkeiten zu bieten. Es wird einen Erfahrungsaustausch geben sowie Rollenspiele um konkrete Situationen zu simulieren. Ziel ist es dabei Strategien und Handlungen zu lernen und üben, die es ermöglichen den eigenen Spielraum zu erweitern, zu widersprechen und sich zu wehren
Es wird unterdessen Möglichkeiten zur Reflexion geben und praktische Hilfe geboten, und ein organisierter oder gemeinschaftliche Ansatz der antisexistischen Arbeit vorgestellt.
Anmelden könnt ihr euch unter: og_berlin@vdaeae.de

30 Teilnehmer*innen wird der Workshop ermöglicht. Mehr Informationen zur Anmeldung folgen bald!