Medika – ein kulturelles Herz Zagrebs

Nach unserer Ankunft in Zagreb gehen wir zum Kulturzentrum Medika im Osten der Innenstadt. Vor der Reise hatten wir schon versucht, Kontakt aufzunehmen. Ein Treffen konnten wir zwar nicht auf die Beine stellen, trotzdem wollen wir uns den Ort gerne persönlich anschauen und hoffen dort auf linke Aktivist*innen zu treffen, mit denen wir uns über die Szene in Kroatien austauschen können.

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Das ist der liebevoll gestaltete Eingang eines Clubs des Medika.

Durch ein Tor treten wir auf einen von Häusern gesäumten, verwinkelten Innenhof. Graffiti ist wild auf die groben Mauern gesprüht, einige Fenster sind mit Holzspanplatten verbarrikadiert. Über baufällige Treppen machen wir uns auf in eines der Gebäude und treffen in einem Atelier Mira. Sie erklärt sich dazu bereit, uns etwas über das Medika und ihre Verbindung dazu zu erzählen. In einem weniger genutzten Teil finden wir Ivo, der in seinem Hacklab arbeitet. Er gesellt sich ebenso zu unserer Gruppe und wir beginnen ein Gespräch. Natürlich ist uns dabei bewusst, dass wir dadurch nur einen subjektiven Eindruck von der momentanen Situation bekommen.

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Wir lassen uns von unseren Kontakten vor Ort herumführen.

Nach unseren Erfahrungen aus Ljubljana sind wir auf einen ebenso freien Raum, verbunden mit linkem Aktivismus, eingestellt. Unsere Gespächspartner*innen erzählen von der ehemaligen Fabrik für Medizintechnik, das damals leer stand und dann im Sinne der Squatkultur genutzt wurde.

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Im Hintergrund sieht man den Aufgang zum projekteigenen Sportstudio. Vorne im Bild stehen selbstgestaltete Bänke auf denen sehr gut ausgeruht werden kann.

Durch Punkkonzerte und andere eher unangepasste Projekte wurde die Nachbarschaft auf den Squat aufmerksam. Das angrenzende Westin Hotel wollte das Gelände daraufhin kaufen und auf der Fläche ein Konferenzzentrum errichten. Anscheinend viel die Zeit der Protestbewegung dagegen mit dem Ende einer Wahlperiode, also Neuwahlen, zusammen. Den Berichten zufolge ließ sich der Bürgermeister gerne in dem besetzten Medika auf Parties mit jungen Leuten im Sinne seiner Wahlwerbung ablichten. Auf die Proteste folgten Verhandlungen und eine Duldung des Projekts konnte erwirkt werden.

_MG_7497Die Einigung mit der Stadt schließt ein, dass die Nutzer*innen von nun an geringe Mieten zahlen müssen, wodurch die Künstler*innen einen Teil ihrer Leichtigkeit in der Arbeit verlieren, denn das Streben nach Profit entwickelte sich zu einem zentraleren Thema ihres Wirkens. Ein weiterer Grund, warum das Zusammenleben in dem Kulturzentrum als frustrierend empfunden wird, ist die Aufteilung des noch nicht vergebenen Raumes. Anscheinend beanspruchten viele einen Platz für ihre Arbeit, ohne dass gemeinschaftliche Absprachen eine Einigung erzielten. Scheinbar zerstritten sich die Aktivist*innen über die Auswahl der richtigen Projekte und schlussendlich erhielt der*diejenige den Platz, der*die sich einfach seinen Raum besetzte.

Nach und nach entstand ein stadtbekannter Club, in dem Punkrockkonzerte gespielt werden und der den größten Teil der Miete einbringt. Außerdem etablierte sich ein Café, mehrere Ateliers, Räume für die Nutzung von Sportpogrammen und das zuvor erwähnte HackLab. Von offizieller Seite wäre es eigentlich unmöglich, das Medika zu nutzen, beispielsweise fehlen funktionierende Sanitäranlagen und nach jedem großen Konzert sind sie Wasserleitungen defekt oder sogar verschwunden.

Wir merken hier, wie schwer es ist, sich in einer großen Gruppe zu organisieren und wie schnell dabei das Gemeinschaftsgefühl verloren gehen kann, zusätzlich, wie sehr äußere Einflüsse das Kulturzentrum zum Spielball der lokalen Politik macht. Ein Beispiel hierfür ist laut Ivo die Versprechung des Bürgermeisters während des Wahlkampfes, bei der Instandhaltung der Gebäude Unterstützung zu leisten. Dies wurde später anscheinend nicht umgesetzt und man wartet noch immer auf Initiativen der Stadt. Vor diesem Hintergrund vergleicht Ivo das Medika mit einem kleinen Kroatien: viel Korruption und Willkür. Er führt aus, dass man hier nur Probleme bekomme, wenn man nicht die richtigen Leute kenne. In dem Gespräch zeichnen uns die zwei Künstler*innen ein weniger optimistisches Bild, das uns zum Nachdenken bringt. Inwieweit ist es möglich, nach anfänglichem Aufschwung, eine langfristige Lösung für selbstverwaltende Projekte zu finden. Und welche Roll spielen selbstgegebene Regeln dabei?

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Nach und nach wurde auch die direkte Umgebung des Projekts bunt gestaltet.

Für weitere Informationen haben wir euch hier die Internetseite der Medika verlinkt:

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