Gesundheit braucht Klimaschutz (Pressemitteilung, kurz)

„Klimawandel ist die größte Gefahr für die globale Gesundheit im
21. Jahrhundert“ (The Lancet 2009)

Im November 2017 findet in Bonn die 23. Weltklimakonferenz (COP23) unter
Leitung der Fidschi-Inseln statt. Welch Ironie, wenn man bedenkt, dass diese
Inselgruppe im globalen Süden eine der Hauptleidtragenden des globalen
Klimawandels ist. Dagegen gehört Deutschland, internationaler Rekordhalter
in Braunkohleförderung und -nutzung, zu den G7 des CO2-Ausstoßes und
betreibt ausgerechnet im Rheinland eines der weltweit größten Braunkohlekraftwerke.
Die COP23 ist also ein Beispiel, das einen allgemeinen „Klimakolonialismus“
widerspiegelt: Die reichsten 10% der globalen Weltbevölkerung sind für 50%
der CO2-Emissionen verantwortlich, während die wirtschaftlich Ärmsten
gerade einmal zu 10% der CO2- Emissionen beitragen – aber am meisten
unter den Folgen leiden.
Der Klimawandel führt zu ungerecht verteilten Belastungen in nahezu allen
Lebensbereichen. Doch sind es vor allem die gesundheitlichen Folgen auf die
wir als Kritische Mediziner*innen aufmerksam machen wollen: Häufigere und
länger anhaltende Dürren und Hitzewellen, sowie vermehrte
Niederschlagsextreme mit Überschwemmungen und Stürmen führen
weltweit zu einem Anstieg von Unter- und Mangelernährung durch z.B.
Ernteausfälle, sowie zu Durchfall- und Infektionserkrankungen durch
verschmutztes Trinkwasser und geographisch zunehmender Ausbreitung von
Vektoren (Krankheitsüberträger wie die der Malaria). All diese
gesundheitlichen Folgen des Klimawandels sind auch in Europa bereits
spürbar, wie z.B. die Hitzewelle von 2003 mit 70.000 Sterbefällen zeigt.
Neben diesen indirekten Folgen führt die Nutzung von Kohle zur
Energiegewinnung, auch in Deutschland, durch Feinstaubbelastung zu
zunehmenden Herz- Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, einer
gesteigerten Inzidenz von Schlaganfällen, sowie erhöhten
Schwangerschaftsrisiken und einer insgesamt verringerten Lebenserwartung.
Nicht zu vergessen sind außerdem vielseitig negative Auswirkungen auf die
mentale Gesundheit.
Wir leben in einer Zeit, in der uns eine lang ignorierte Krise zu überrumpeln
droht. Doch könnte „der Kampf gegen den Klimawandel […] die
größte Chance für die Gesundheit im 21. Jahrhundert sein“ (The
Lancet 2015), um eine gerechte und gesunde Zukunft auf diesem Planeten
zu schaffen.
Damit dies möglich ist, müssen wir über eine Beschreibung der Symptome
hinausschauen. Es reicht schon lange nicht mehr aus, sich auf der
vereinfachten Entstehungsgeschichte des Klimawandels, als Folge von CO2
Emissionen auszuruhen. Es wird Zeit, dass wir uns der strukturellen Ursachen
bewusst werden und diese verändern. „Wir müssen unsere Ziele höher und
weiter stecken. Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, geht es darum, unsere
Lebensweise auf diesem Planeten von Grund auf zu ändern.“ (Rebecca
Tarbotton, geschäftsführende Direktorin des Rainforest Action Network, 1973-
2012).
Um einen gesellschaftlichen Wandel möglich zu machen, wollen wir –
Menschen, die auf unterschiedliche Weise im Gesundheitssektor tätig sind –
die realen Risiken und Folgen des Klimawandels kommunizieren. Wie
Ärztinnen und Ärzte der Divestment-Bewegung in Großbritannien es
erfolgreich getan haben fordern wir auch im Gesundheitssektor ethisch
vertretbare und nachhaltige Geldanlagen, sowie den sofortigen
Kohleausstieg. Dazu zählt auch die Einstellung von Kohleexporten aus
Deutschland, um nicht weiter an einem Handel zu verdienen, der Menschen
in anderen Ländern krank macht. Zu Beginn der neuen Legislaturperiode
wollen wir unsere gesellschaftliche Position nutzen, um Druck auf die
Regierung auszuüben.
Wir stehen entschieden gegen eine Wirtschaft, die Krankheit verursacht und
in Kauf nimmt.
Wir lehnen eine Politik ab, die die Entstehung von Krankheit, Tod und
gesundheitlichen Kosten durch „fossile“ Unternehmen noch immer
unterstützt und stellen Gesundheit klar vor Profit.
Die Gesundheit jedes Menschen ist unser unantastbares Recht!
Lasst uns gemeinsam am 4.11. in Bonn als Gesundheitsblock an der
Demo „Klima schützen – Kohle stoppen“ teilnehmen und unseren
Standpunkt deutlich machen:
Globale Gesundheit fördern – Klimawandel stoppen!

 

Kritische Mediziner*innen Deutschland, 22.10.2017